Neue Ideen für den Handel – wie Haniel Innovation fördert

2016 beschloss die Holding Franz Haniel & Cie., mit Schacht One ein eigenes Innovation Lab zu gründen. Seitdem kümmert sich CEO Dirk Müller, zugleich CIO bei Haniel, darum, mit iterativen Arbeitsmethoden Innovationen in der Gruppe zu fördern und die digitale Transformation voranzutreiben.
Bei Franz Haniel & Cie. leistet die Digital-Tochter Schacht One in Sachen Innovation Anschub

Neue oder ergänzende digitale Geschäftsmodelle im Fokus

Seit einer halben Dekade sprießen sie wie Pilze aus dem Boden – Innovationseinheiten etablierter Unternehmen und Konzerne. Aktuell unterhalten laut einer Fraunhofer-Schätzung allein 70 Prozent der DAX-Unternehmen Corporate-Inkubatoren. Aber auch bei der in Familienbesitz befindlichen Holding des Duisburger Handelsunternehmens Franz Haniel & Cie. gehört Innovation längst zum Portfolio: Anschub leistet die Digital-Tochter Schacht One in Essen.

So halfen Schacht-One-Geschäftsführer Müller und sein Team den B2B-Haniel-Beteiligungen Takkt, CWS und ELG nicht nur, die digitale Transformation zu schultern. Seit seiner Gründung als Haniel-Digital-Hub im Jahr 2016 unterstützt Schacht One Unternehmen und -Beteiligungen der Haniel-Gruppe vor allem darin, „dass neue oder ergänzende digitale Geschäftsmodelle das Licht der Welt erblicken“, erläutert Müller.


Dirk Müller: „Wir bieten Ressourcen und einen geschützten Raum für digitale Initiativen, die im Unternehmenskontext unter Umständen schlechter funktionieren“

Dirk Müller: „Wir bieten Ressourcen und einen geschützten Raum für digitale Initiativen, die im Unternehmenskontext unter Umständen schlechter funktionieren“


Schacht Ones Weg vom Digital-Transformator hin zum Innovation Lab

In iterativen Projekten testen die Essener beispielsweise anhand von Prototypen neue Firmenkonzepte. „Wir versuchen, eine Test-and-Learn-Mentalität zu verankern“, berichtet Müller. Es geht ihm darum, Entscheider und Mitarbeiter aus den unterschiedlichsten Geschäftsbereichen zu unterstützen: „Wir bieten Ressourcen und einen geschützten Raum für digitale Initiativen, die im Unternehmenskontext unter Umständen schlechter funktionieren“, erläutert Müller.

Innovation auf Basis von Kunden- und Nutzerumfragen

Inzwischen arbeitet Schacht One unmittelbar am Kerngeschäft der Gruppe. So ist beispielsweise für die Takkt-Beteiligung innovative Tech-Lösung „Prüfplaner“ für die Lagerhaltung der Betriebsmittel mittelständischer Kunden entstanden. Übrigens auf Basis einer kundenzentrierten Exploration. Im Fokus steht hier eine Verwaltungslösung von Prüfpflichten. Für CWS schob Schacht One derweil ein innovatives Abomodell für Berufsbekleidung mit einem transparenten Pricing nach dem Netflix-Modell an. Das Digitalunternehmen befragte vorab Handwerker zu zielgruppengerechten Angeboten, berichtet Müller.

Innovationsthemen auch für externe Unternehmen

Um Unternehmenslösungen auch außerhalb der Haniel-Gruppe zu vertreiben, hat Schacht One im Sommer 2018 gemeinsam mit den Wirtschaftsprüfern von ETL die Schmiede Zollverein gegründet. Gemeinsam arbeiten „Schacht“ und „Schmiede“ hier an aktuellen Themen wie dem Internet der Dinge, Künstlicher Intelligenz oder Blockchain-Lösungen. Schmiede Zollverein verfolgt denselben methodischen und inhaltlichen Ansatz wie Schacht One. Um zu wachsen, teilen sich beide Unternehmen Ressourcen sowie Experten.


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Diese sechs Erfolgsfaktoren sind für iterativ erbrachte Innovationen relevant

  • Bereitschaft für den kulturellen Wandel: Der Fokus für innovatives Arbeiten darf nicht auf dem „Warum“ liegen, sondern muss sich um das „Wie“ drehen.
  • Digitales Entrepreneurship-Programm fördert Nachhaltigkeit: Bei Schacht One hospitieren Mitarbeiter verschiedener Haniel-Töchter und -Beteiligungen, um zu lernen, agile Management-Methoden wie Design-Thinking und Lean Startup praktisch und nachhaltig anzuwenden.
  • Metriken bzw. die richtigen digitalen Messgrößen festlegen: Customer Lifetime Value oder Customer Acquisition Costs stehen für den qualitativen Beitrag von Innovationsprojekten.
  • Timelines setzen: „Das ist wichtig, um ein Projekt unter dem Gesichtspunkt ,Fail fast‘ rechtzeitig abzubrechen oder zu pivotieren“, betont Müller. Eine Hypothese werde nicht immer positiv bestätigt bzw. sei nicht zwingend monetarisierbar, warnt er.
  • Transparenz schaffen: damit Veränderungen in der eigenen Organisation schnell sichtbar werden, Organisationen ihre Potenziale aktiv nutzen, sich Veränderung zutrauen, sich Begleitung und Hilfe suchen, Innovationsprozesse vorantreiben und dabei authentisch bleiben.
  • Mit regionalen Partnern zusammenarbeiten.

Fazit: „Skeptiker können sich Innovationsthemen nicht länger entziehen“

Längst ist Schacht One so etwas wie der „Technologie- und Network-Hub-Center of Excellence“, eine Drehscheibe für Tech- und Networking-Themen innerhalb der Haniel-Gruppe. Weiterhin steigt Müllers Team stärker in den strategischen Dialog innerhalb der Gruppe ein und baut sein digitales Partnernetzwerk aus – auch für die interne Wahrnehmung: „Wir werden dank unserer konstanten Entwicklung auch in zwei Jahren noch eine wichtige Daseinsberechtigung innerhalb der Gruppe haben“, resümiert Müller. „Indem wir positive wie negative Erfahrungen aufzeigen, entstehen in der Organisation Motivation, das richtige Mindset und eine zielgerichtete Dynamik.“ So können sich selbst Skeptiker Innovationsthemen nicht länger entziehen. Schacht One hat sie zur Chefsache für die Haniel-Gruppe gemacht.


Exkurs: Wozu Unternehmen einen Corporate Incubator nutzen

Ein Unternehmens-Inkubator fördert Innovation in Unternehmen. Ihn gibt es in verschiedenen Ausprägungen.

Was den Unterschied zwischen Innovation Lab und Accelerator ausmacht

Die firmeninterne Lösung des Corporate Incubator entwickelt neue Ideen im hauseigenen „Innovation Lab“. Diese Ideen-Satelliten existieren in nahezu allen Industrien und greifen die Trendthemen ihrer jeweiligen Branche auf. Sie treiben Projekte voran, die in der Kernorganisation selbst Konflikte im Zusammenspiel mit bestehenden Geschäftsmodellen verursachen würden oder sonstigen Realisierungsrisiken ausgesetzt sind.

Gewöhnlich arbeiten in diesen Labs Mitarbeiter eng mit den klassischen Projektentwicklern im Mutterunternehmen zusammen. Erklärtes Ziel: in einer Frühphase des Innovationsprozesses nicht nur Ideen zu gewinnen, sondern auch zu entwickeln und selbstständig per Spin-out an den Markt zu bringen. Verwertet der hauseigene Inkubator seine Innovationen hingegen lediglich für das Mutterunternehmen, handelt es sich – wie das Beispiel von Schacht One in der Haniel-Gruppe zeigt – um ein Spin-in, einen mittlerweile etablierten Industrieansatz. Dadurch kann die Mutterorganisation Innovationen mit strategischer Relevanz selbst auf den Markt bringen und gleichzeitig ihre Markenführungs-Expertise und die dazugehörigen Ressourcen nutzen.

Oft befinden sich Innovation Hubs aus personellen Gründen an urbanen Tech-Standorten. Oder sie gehören zu Tech-Hubs, also Knotenpunkten für Start-ups, Wirtschaft und Wissenschaft. So stellen sie die direkte Anbindung an Kunden, Partner sowie die Nähe zu neuen Technologien sicher.

Das externe Pendant, der Start-up-Accelerator, hilft ebenfalls, neue Geschäftsmodelle, Produkte, Dienstleistungen und Co. zu entwickeln. Der Accelerator nutzt die Zusammenarbeit mit externen Gründern und Start-ups, die mit Hilfe der dort beschäftigten Mitarbeiter Ideen entwickeln und neue Geschäftsansätze vorantreiben.


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Geschrieben von

Kristina Schreiber

Kristina Schreiber war bis April 2018 Senior Corporate Editor bei AVADO Learning. Sie schreibt seit fast zwei Dekaden über Digitalisierung und Marketing, vormals u.a. für absatzwirtschaft, acquisa, Adzine, Internet World Business und ONEtoONE. Kristina brennt für Data-, Analytics- und Tech-Themen ebenso wie für disruptive Geschäftsmodelle und kulturellen Wandel.